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Ich würde mal schätzen, daß 90% aller Konflikte in Eigeninitive gelöst werden. Denkt man nur an die alltäglichen kleinen Streitigkeiten mit seinen Arbeitskollegen, dem Ehegatten oder den Kindern. Oft genug beschweren sich Kunden bei einem Unternehmen über dessen Leistung. Dann kommt es vielleicht zu einem Streitgespräch und in den meisten Fällen finden Kunde und Mitarbeiter wieder zueinander und das Problem kann gelöst werden.
Dies ist der Alltag. Wir Menschen brauchen Konflikte. Wir brauchen sie um uns zu Entwickeln. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn wir den Konflikt als Chance begreifen etwas zu verbessern. Im Folgenden mag ich Ihnen ein paar Gedanken mitgeben, die Sie beachten können, wenn Sie sich wieder einmal in einer Konfliktsituation befinden.

Denkhirn

contra

Reptilienhirn

Das menschliche Gehirn setzt sich entwichlungs- und funktiontechnisch gesehen aus zwei Teilen zusammen. Das sind das Stammhirn und das Großhirn.
Das Stammhirn haben wir mit vielen anderen Tieren gemeinsam. Selbst das Gehirn der Reptilien ist unserem Stammhirn sehr änhlich. Es ist für die einfachen körperlichen Mechanismen zuständig. Dank ihm können wir uns bewegen, Hunger oder Durst empfinden und es ist wesentlich für unsere Emotionen zuständig.
Das Großhirn unterscheidet uns von den Reptilien. Durch dieses können wir z.B. Reden, komplexe Aufgaben erledigen und uns sozial vehalten. Dieser Gehirnteil ist im Laufe der Evolution später hinzuzgekommen.   
Kommen wir nun in eine Gefahrensituation, weil wir z.B. angegriffen werden. So schaltet sich unser Reptilienhirn ein. Das heißt, das Stammhirn ruft nun blitzschnell ein millionen Jahre altes Programm auf, das es für die entsprechende Situation gespeichert hat. Dazu gehört unter anderem eine starke Adrenalinausschüttung und das Abschalten des Denkhirns. Denn dieses hat ja in der konkreten Gefahrensituation keinen Nutzen oder Aufgabe. Es würde also nur unnütz Energie verbrauchen. Je größer die Gefahr ist, desto eifriger reagiert das Stammhirn, ein rationales Verhalten wird immer unmöglicher.
So! Und genau das ist unser Problem. Fühlen wir uns angegriffen, wie z.B. im Konflikt, können wir nicht mehr klar denken, sondern sind nur noch Marionetten unseres Reptilienhirns. Das macht uns so unfähig mit Konflikten rational umzugehen.
Für uns, die wir das Problem nun kennen heißt das, daß wir:
  1. im Konflikt abwarten sollten bis sich unser Reptilienhirn wieder beruhigt hat und das Denkhirn wieder arbeiten darf. Ebenso sollten wir unserem Gegenüber die Zeit dazu geben.
  2. dann unser Denkhirn den Konflikt lösen lassen
  3. mit dem "Gegner" vereinbaren daß wir uns gegenseitig ausreden lassen, der jeweils andere auch aktiv zuhört und versucht den anderen in seiner Sichtweise zu verstehen
  4. herausarbeiten was der eigentliche Streitpunkt ist und zusammen überlegen welche Alternativen es gibt das Problem zu lösen
  5. gemeinsam eine Lösung vereinbaren, und uns auch daran halten    
Zuletzt will ich Ihnen noch den Kerngedanken der Harvard-Methode wiedergeben. Roger Fisher und William Ury haben untersucht, wie man miteinander verhandlen sollte um zu einer konstruktiven Lösung zu gelangen. Sie sind zu diesem, vielzitierten, Ergebnis gekommen: 
Menschen:
Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln!
Interessen:
Nicht Positionen, sondern Interessen in den Mittelpunkt stellen!
Möglichkeiten:
Vor der Entscheidung verschiedene Wahlmöglichkeiten entwickeln!
Kriterien:
Das Ergebnis auf objektiven Entscheidungsprinzipien aufbauen! 3)

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3) Vgl.: Fisher, R.; Ury, W.; Das Harvard-Konzept; 9.Aufl.; 1990; S.27 zurück